Seit 25 Jahren ein Schutzraum für Frauen
Seit 25 Jahren ist die Beratungsstelle donum vitae in Landstuhl in der Schwangerenberatung tätig. Mit der Unterstützung der Beratungsstelle können Frauen ihren eigenen Weg in Konfliktsituationen finden.
Am Feuerwehrturm 6 (beim Deutschen Roten Kreuz) in Landstuhl findet sich die Beratungsstelle donum vitae. Landstuhl war die zweite staatlich anerkannte Beratungsstelle für schwangere Frauen in Deutschland und die erste in Rheinland-Pfalz. Farbig gestaltete Räume mit Wohlfühlatmosphäre schaffen den nötigen Rahmen, damit sich die ratsuchenden, im Schwangerschaftskonflikt befindlichen Frauen gut aufgenommen fühlen. Das speziell ausgebildete Beraterteam trägt mit seiner Empathie sein Übriges dazu bei. “Wir bieten den Frauen hier einen Schutzraum. Hier erfahren sie eine neutrale und ergebnisoffene Beratung, die dem Leben und der Frau zugewandt ist”, erläutert Christine Joniks das Angebot.
“Es geht darum, den Frauen Möglichkeiten, aufzuzeigen und verschiedene Hilfestellungen zu geben. Und dass sie in ihrer Situation nicht allein dastehen”, so Joniks, Landesgeschäftsführerin in Rheinland-Pfalz. Ihr sei es insbesondere wichtig, dem Menschen da zu begegenen, wo er gerade stehe. Jeder habe seine Berechtigung und seine eigenen Werte. Mithilfe der Beratung solle es jeder Frau ermöglicht werden, eine selbstverantwortete und reflektierte Entscheidung zu treffen, damit sie letztendlich ihren Weg finde.
Bis ins Jahr 1998 konnten Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch in Erwägung zogen, den dafür benötigten Beratungsschein auch in der kirchlichen Schwangerenkonfliktberatung erlangen. Dieser Nachweis sicherte der schwangeren Frau eine straffreie Abtreibung innerhalb der ersten 12 Wochen. Nachdem Papst Johannes Paul II. die deutschen Bischöfe 1998 aufforderte, keine Beratungsscheine mehr auszustellen, wurde 1999 nach etlichen kontroversen Diskussionen offiziell verkündet, dass die katholische Beratung zukünftig ohne Nachweisscheine stattfindet.
Für viele gläubige Katholiken sowohl auf Beraterseite wie auch unter den hilfesuchenden Frauen bedeutete dies einen erheblichen Gewissenskonflikt. Dies war die Geburtsstunde von donum vitae, lateinisch für “Geschenk des Lebens”.
Von mutigen Christen im Jahr 1999 gegründet, unterhält der Verein mittlerweile über 200 Beratungsstellen bundesweit. An diesen wird eine kostenlose und vertrauliche Beratung geboten, unabhängig von Religion und Nationalität. Christine Joniks ist seit der Eröffnung im Jahr 2000 in Landstuhl dabei. Die Diplom Sozialarbeiterin war zuvor 15 Jahre beim Caritasverband Kaiserslautern tätig. Als Beraterin und Leiterin bei donum vitae kann sie 40.000 selbst durchgeführte Beratungen verbuchen.
Viele tragische Geschichten seien darunter gewesen, sogar Mord und Selbsttötung - Schicksale, die im Kopf verblieben. Umso wichtiger die Erinnerung an all die glücklichen Ausgänge und schönen Erlebnisse, etwa bei einem ihrer ersten Fälle: eine Sechzehnjähige, die einen für sich gangbaren Weg fand und das Kind dann doch auf die Welt brachte.
Schon lange nicht mehr beschränkt sich die Beratung bei donum vitae auf Schwangerschaftskonflikte und Abbrüche. Viele Aufgaben sind hinzugekommen: Tot- und Fehlgeburten, unerfüllter Kinderwunsche, die vertrauliche Geburt und Beratung bei pränataler Diagnostik. Gerade letzteres erforderte eine von mehreren Zusatzausbildungen, die Joniks absolvierte.
Als psychosoziale Beraterin für pränatale Diagnostik kann sie Paaren zur Seite stehen, die mit der frühzeitigen Diagnose umgehen müssen, etwa ein schwerstbehindertes Kind zur Welt zu bringen. Oft sei im Beratungsalltag zwischen aufeinderfolgenden Terminen ein Spagat zu vollziehen, wenn beispielsweise einer Abtreibungsberatung mit einer Schwangeren ein Paar mit unerfülltem Kinderwunsch folge.
Hier sei bei Paaren der Leidensdruck sehr groß, oft einhergehend mit Schuldzuweisungen, wieso eine Schwangerschaft nicht zusande kommt. Bei allen Beratungen gehe es nicht um ein einmaliges Gesprächsangebot, sondern bei Bedarf um eine längergfristige Begleitung - sei es, weil manche Menschen sich erst öffnen müssten oder weil neue Problemstellungen weitere Betreuung erforderten, so Joniks.
Wichtig sei dem Verein auch die Prävention, weshalb man Aufklärung an Schulen und Jugendeinrichtungen betreibe. Nebst Sexualtität und Verhütung werden hier auch Internet, soziale Medien und Pornografie thematisiert.
Eigentlich ist Christine Joniks seit November letzten Jahres in Rente. Da sie aber mit so viel Herzblut bei der Sache ist, agiert sie nun in Teilzeit als Landesgeschäftsführerin Rheinland-Pfalz. Was sie sich noch wünscht? “Das Thema Tod- und Fehlgeburt ist in unserer Gesellschaft immer noch tabuisiert. Für die betroffenen Frauen ist das aber ein gravierendes Erlebnis, das richtig verarbeitet werden muss”, versichert Joniks, weswegen ihr auch das Thema Sternenkinder am herzen liegt.
Zeitungsartikel Die Rheinpfalz Ausgabe vom Samstag, den 02.08.2025